Siebte Stolpersteinverlegung im November 2026
Ablauf und historischer Rahmen
Am Vormittag des 6. November 2026 verlegte der Verein Stolpersteine Flörsheim e. V. im Rahmen der siebten Verlegeaktion sechs weitere Messinggedenksteine in der Flörsheimer Kernstadt. Vor rund 80 Bürgerinnen und Bürgern, Vertretern des öffentlichen Lebens sowie Bewohnerinnen des Hauses Flesch der Lebenshilfe wuchs die Zahl der im Stadtgebiet gesetzten Erinnerungszeichen damit auf insgesamt 41 Stolpersteine sowie eine Stolperschwelle an.
In der Bahnhofstraße 13 wurde an das jüdische Kaufmannsehepaar Hermann und Helene Herzheimer erinnert. Ihr Wohn- und Geschäftshaus wurde in den Morgenstunden nach den Novemberpogromen 1938 von Nationalsozialisten brutal heimgesucht und demoliert. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch hob in seiner Ansprache hervor, dass der Holocaust nicht erst in Vernichtungslagern begann, sondern seinen Anfang im Wegsehen und der Gleichgültigkeit der Mitmenschen nahm. Dem Ehepaar Herzheimer gelang die rettende Flucht zu seiner Tochter Irene in die Schweiz. Gemeinsam mit Jugendlichen des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums legten Klientinnen der Lebenshilfe Rosen an den Steinen nieder.
An der Adresse Poststraße 5 (ehemals Schulstraße 11) stand die jüdische Familie Weill im Zentrum des Innehaltens. Die 74-jährige Emma Weill wurde am 15. September 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet. Ihr Sohn Siegfried Weill, der noch im Ersten Weltkrieg als Frontsoldat für Deutschland gekämpft hatte, und seine Ehefrau Paula wurden 1943 nach Frankfurt zwangsumgesiedelt, entkamen dort der Deportation und überlebten so die nationalsozialistische Schreckensherrschaft.
In der Maler-Schütz-Straße 12 widmete sich das Gedenken einem jugendlichen Opfer der NS-„Euthanasie“: Margarethe Habicht wurde 1938 im Alter von nur 14 Jahren in der damaligen Landesheil- und Erziehungsanstalt Kalmenhof in Idstein ermordet.
Wie in den Vorjahren hatten Schülerinnen und Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums und der Sophie-Scholl-Schule unter Anleitung der Lehrkräfte Constantin Mussel und Svana Hafer-Welsch die historischen Quellen intensiv erforscht. Mit ihren vorgetragenen Biografien gaben sie den Opfern ihre Namen und ihre Würde zurück. Musikalisch gestaltet wurde der Gedenkweg durch Lorenz Götten an der Trompete, Laura Kraemer an der Querflöte und Laurens Spielmann an der Posaune.
Verlegte Stolpersteine und Patenschaften
Für alle sechs im November 2026 verlegten Stolpersteine haben engagierte Bürgerinnen, Bürger, Familien und Institutionen persönliche Patenschaften übernommen:
| Verlegeort | Name des Opfers | Geburtsdatum | Patenschaft |
|---|---|---|---|
| Bahnhofstraße 13 | Hermann Herzheimer | 07.06.1872 | Christa Hoffmann |
| Helene Herzheimer geb. Hofmann | 20.01.1876 | Julian Schwandt | |
| Poststraße 5 | Siegfried Weill | 30.04.1893 | Abel Platt |
| Emma Weill geb. Bodenheimer | 09.02.1868 | Aloysia Laut | |
| Paula Weill | 03.12.1903 | Kreisverband Main-Taunus der Deutschen Polizeigewerkschaft Hessen (DPolG) | |
| Maler-Schütz-Straße 12 | Margarethe Habicht | 14.05.1924 | Familie Habicht |
Publikationen und Bilddokumentation
Das Informationsblatt des Vereins zur siebten Verlegung sowie die begleitende Bilddokumentation stehen nachfolgend als PDF zur Verfügung:
Infoblatt November 2026
Offizielle Begleitpublikation des Vereins Stolpersteine Flörsheim e. V. mit ausführlichen biografischen Abrissen, historischen Hintergrunddaten und Dokumenten zu den Verlegestellen in der Bahnhofstraße, Poststraße und Maler-Schütz-Straße.
Infoblatt ansehen →Fotodokumentation der Verlegung
Fotografische Impressionen vom 6. November 2026: Die Verlegungen an den drei Standorten, die Beiträge der Schülerinnen und Schüler, das gemeinsame Gedenken mit der Lebenshilfe sowie Nahaufnahmen der gesetzten Steine.
Fotodokumentation ansehen →