Über uns & das Projekt

Hinter jedem Stein steht ein Mensch, eine Familie, ein gewaltsam zerstörtes Leben. Wir bringen die Namen der Verfolgten dorthin zurück, wo sie einst zu Hause waren – mitten in unsere Stadtgemeinschaft. Erfahren Sie hier mehr über unsere Vereinsarbeit, die Idee der Stolpersteine und unsere Projekte mit Schulen und Partnern.

„Auschwitz war der Ziel- und Endpunkt, aber in den Wohnungen und Häusern begann das Unfassbare, das Grauen.“
— Gunter Demnig, Initiator des weltweiten Stolperstein-Projekts

Die Schuld der Nachlebenden gibt es nicht. Doch aus der historischen Verantwortung ist für uns alle eine bleibende Verpflichtung erwachsen, der Geschichte ins Auge zu sehen und Haltung zu zeigen. Mit den Stolpersteinen und Gedenkorten holen wir die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus dorthin zurück, wo ihr Leben gewaltsam zerstört wurde: mitten in unsere Nachbarschaft, direkt vor unsere Haustüren.


Der Verein: Stolpersteine Flörsheim e. V.

Am 2. Februar 2017 beschloss der Magistrat der Stadt Flörsheim am Main, sich an der bundesweiten Aktion des Künstlers Gunter Demnig zu beteiligen. Um die Recherchen, die Organisation und die Finanzierung eigenständig und verlässlich zu tragen, wurde am 30. Oktober 2017 der Verein „Stolpersteine-Flörsheim e. V.“ gegründet (gemeinnützig eingetragen seit dem 6. November 2017).

Der Verein arbeitet unabhängig und ehrenamtlich. Zu den Kernaufgaben gehören neben den Verlegungen vor allem die kontinuierliche Pflege der Gedenksteine sowie die historische Bildungs- und Aufklärungsarbeit vor Ort.

Das Konzept der Stolpersteine

Ein Stolperstein ist ein Betonpflasterstein (10 × 10 cm), versehen mit einer handgeschlagenen Messingplatte. Er wird bündig in den Gehweg vor dem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer eingelassen. Ergänzend dazu erinnert eine Stolperschwelle an größere Gruppen von Verfolgten am Ort ihres Leidens.

In Flörsheim erinnern die Steine und Schwellen an die Menschen, die durch das nationalsozialistische Regime verfolgt, ausgebeutet oder ermordet wurden:

  • Jüdinnen und Juden
  • Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde
  • Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter
Mit den Augen stolpern

Über die bündig verlegten Steine stolpert man nicht mit den Füßen, sondern mit dem Blick und den Gedanken. Wer stehenbleibt, um die Inschrift zu lesen, beugt sich leicht vor – und verbeugt sich dabei symbolisch vor dem Menschen, an den erinnert wird.


Lebendige Erinnerung & Schulkoperationen

Erinnerungsarbeit in Flörsheim ist generationsübergreifend. Die Zusammenarbeit mit den örtlichen Schulen ist ein zentraler Pfeiler unserer Vereinsarbeit:

  • Graf-Stauffenberg-Gymnasium: Was mit der früheren „Courage AG“ begann, wird heute fest im Geschichtsunterricht weitergeführt: Schülerinnen und Schüler verschiedener Geschichtskurse erforschen eigenständig Einzelschicksale, übernehmen Patenschaften und wirken aktiv an Verlegungen und Gedenkfeiern mit.
  • Sophie-Scholl-Schule: Auch hier beteiligen sich Schülerinnen und Schüler mit eigenen Recherchen und Beiträgen an den Projekten.
  • Gemeinsame Pflegeaktionen: In Zusammenarbeit mit Partnern wie der Lebenshilfe Main-Taunus e. V. werden die Messingplatten regelmäßig gereinigt, um den Steinen ihren Glanz und den Biografien ihre Sichtbarkeit zu erhalten.

Besondere Gedenkorte in Flörsheim

Die Kofferskulptur „DenkMal“

Errichtet am Flörsheimer Bahnhof als dauerhaftes Mahnmal, gestaltet von Thomas Reinelt. Die Skulptur erinnert an alle Bürgerinnen und Bürger Flörsheims, die in der NS-Zeit vertrieben und deportiert wurden. Im Inneren befindet sich eine fest verschweißte Zeitkapsel mit den persönlichen, unausgesprochenen Gedanken von Schülerinnen und Schülern des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums zum Thema Flucht und Deportation.

Die Stolperschwelle in Bad Weilbach

Zur Erinnerung an über 1.400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die zwischen 1942 und 1945 in Flörsheimer Lagern und Betrieben untergebracht und ausgebeutet wurden. Die verlegte Schwelle mahnt daran, dass Zwangsarbeit und Unrecht mitten im Alltag unserer Region stattfanden.

Machen Sie mit

Das Ziel der Initiative ist es, für alle bekannten Opfer des Nationalsozialismus in Flörsheim ein sichtbares Zeichen zu setzen. Sie können dieses Vorhaben aktiv unterstützen – durch eine Spende, eine Steinpatenschaft (120 €) oder Ihre Mitarbeit bei der Biografie-Recherche.

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