Dokumentation & Chronik

Sechste Stolpersteinverlegung im Januar 2026

Datum: 27. Januar 2026 | Ort: Flörsheim am Main | Umfang: 6 Stolpersteine an 3 Standorten

Ablauf und historischer Rahmen

Am 27. Januar 2026, dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus und Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, fand in Flörsheim am Main die sechste Stolpersteinverlegung statt. An drei Standorten im Stadtgebiet wurden sechs neue Gedenksteine enthüllt. Die Zahl der im Flörsheimer Straßenbild verlegten Stolpersteine wuchs damit auf insgesamt 30 an. Begleitet von auf Halbmast gesetzten Flaggen am Rathaus versammelten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreter aus Politik, Vereinen sowie Klientinnen des Hauses Flesch der Lebenshilfe Main-Taunus e. V., um gemeinsam Haltung gegen das Vergessen und für eine offene Gesellschaft zu demonstrieren.

Vereinsvorsitzende Martina Eckert eröffnete den Rundgang und unterstrich den Wert der Stolpersteine als sichtbare Mahnmale im Alltag. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch trat in seinen Ansprachen Forderungen nach einem Schlussstrich entschieden entgegen. Das Wachhalten der Erinnerung sei gerade vor dem Hintergrund wieder erstarkender antisemitischer Tendenzen und Ressentiments eine fortwährende demokratische Bürgerpflicht. Musikalisch getragen wurde das Gedenken von Bernhard Frank und seinen Schülern mit Posaunenklängen traditioneller jüdischer Weisen wie „Oyfn Pripetshik“.

In der Kloberstraße 2 wurde an Rosa Schwarzschild erinnert, in der Hospitalstraße 16 an Carola Wolf. Beide wurden in Auschwitz ermordet. In der Plattstraße 39 standen vier Angehörige der jüdischen Familie Hecht im Mittelpunkt des Innehaltens. Die Familie war vor 1933 tief im Vereins- und Kulturleben Flörsheims verwurzelt: Helene Hecht arbeitete als Buchhalterin, ihr Ehemann Leopold bei Opel in Rüsselsheim sowie als engagierter Tenorsänger im Gesangverein Sängerbund. Während Karolina Hecht angesichts der NS-Verfolgung den Freitod wählte und Harald Heinz Hecht die Flucht ins Ausland glückte, flohen Helene und Leopold Hecht Ende der 1930er-Jahre nach Frankreich. Im dortigen Exil entstand das im Flörsheimer Dialekt verfasste Gedicht „Flerschem in Paris“ von Mitflüchtling Leo Mannheimer. 1942 wurden Leopold und Helene Hecht im besetzten Frankreich verhaftet, über das Sammellager Drancy nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Die Erarbeitung der Biografien lag erneut in den Händen engagierter Schülerinnen und Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums und der Sophie-Scholl-Schule. Unter Anleitung der Lehrkräfte Constantin Mussel und Svana Hafer-Welsch hatten die Jugendlichen die historischen Quellen erforscht und trugen die Schicksale an den ehemaligen Wohnorten vor, um den Opfern ihre Namen und ihre Würde im kollektiven Gedächtnis der Stadt zurückzugeben.

Verlegte Stolpersteine und Patenschaften

Für alle sechs im Januar 2026 verlegten Stolpersteine haben Vereine, Institutionen sowie Bürgerinnen und Bürger persönliche Patenschaften übernommen:

Verlegeort Name des Opfers Geburtsdatum Patenschaft
Kloberstraße 2 Rosa Schwarzschild geb. Hirsch 03.10.1888 Kolpingfamilie
Hospitalstraße 16 Carola Wolf geb. Schwarzschild 23.02.1917 Frank Laurent
Plattstraße 39 Leopold Hecht 20.04.1893 Sängerbund 1847 e.V.
Helene Hecht geb. Altmaier 22.09.1891 Klaus-Peter Harth
Karolina Hecht geb. Herrscher 25.04.1861 Kolpingfamilie
Heinz Hecht 1922 Bernd Klabunde

Publikationen und Bilddokumentation

Das begleitende Infoblatt des Vereins sowie die Bilddokumentation zur Verlegung im Januar 2026 stehen nachfolgend als PDF zur Verfügung:

Vereinsinformation PDF-Dokument

Infoblatt Januar 2026

Offizielle Begleitpublikation des Vereins Stolpersteine Flörsheim e. V. mit ausführlichen biografischen Abrissen, Quellenauszügen der Schülerrecherchen und Dokumenten zu den Verlegestellen in der Kloberstraße, Hospitalstraße und Plattstraße.

Infoblatt ansehen →
Bilddokumentation PDF-Dokument

Fotodokumentation der Verlegung

Fotografische Aufnahmen vom 27. Januar 2026: Die Verlegungen an den drei Standorten, die Beiträge der Schulen, die feierliche Übergabe der Patenschaftsurkunden sowie Detailansichten aller sechs Steine.

Fotodokumentation ansehen →
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