Fünfte Stolpersteinverlegung 2024
Ablauf und historischer Rahmen
Am 8. November 2024 – unmittelbar am Vorabend des Gedenkens an die Novemberpogrome von 1938 – fand in Flörsheim am Main die fünfte Stolpersteinverlegung statt. An drei Standorten im Stadtgebiet wurden insgesamt acht neue Messinggedenksteine feierlich enthüllt, um den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wieder einen festen Platz im Gedächtnis ihrer Heimatstadt zu geben.
Der Rundgang begann in der Hauptstraße 14a mit der Begrüßung durch die Vereinsvorsitzende Martina Eckert und einer Ansprache von Bürgermeister Dr. Bernd Blisch. Hier erinnert nun ein Stolperstein an Johann Lorenz Nauheimer. Aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie stammend, wurde er 1941 im Rahmen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms in die Landesheilanstalt Eichberg eingewiesen, wo er im selben Jahr im Alter von 64 Jahren infolge gezielter Unterernährung oder Übermedikation ums Leben kam.
In der Hauptstraße 57 galt das Innehalten der jüdischen Familie Altmaier und Gerson. Bertha Altmaier wurde im September 1942 gemeinsam mit ihrer Stieftochter Paula Gerson und deren Ehemann Robert Gerson mit dem Transport DA 535 nach Theresienstadt verschleppt; zuvor war das gesamte Vermögen der Familie eingezogen worden. Während Bertha Altmaier bereits im Oktober 1942 den unmenschlichen Lagerbedingungen erlag, gelang es Paula und Robert Gerson, Theresienstadt zu überleben. Sie konnten nach Kriegsende 1946 in die Vereinigten Staaten emigrieren.
In der Grabenstraße 58 wurden vier Steine für Familie Halberstadt enthüllt. Jonas und Frieda Halberstadt waren nach jahrelanger Ausgrenzung vergeblich um eine Ausreise nach Palästina bemüht und wurden 1941 in das Ghetto Minsk deportiert, wo sie unter grausamsten Bedingungen starben. Ihren beiden Kindern Bessie und Leopold hatten die Eltern zuvor mit einem Kindertransport nach England das Leben retten können.
Vorbereitet und inhaltlich getragen wurde die Gedenkveranstaltung durch engagierte Schülerinnen und Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums sowie der Sophie-Scholl-Schule. Nach mehrmonatigen Recherchen – unter anderem im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden unter Begleitung von Geschichtslehrer Constantin Mussel – verlasen die Jugendlichen an den ehemaligen Wohnhäusern die erarbeiteten Biografien, um aus bloßen Nummern wieder Namen und persönliche Schicksale sichtbar zu machen.
Verlegte Stolpersteine und Patenschaften
Für alle acht im November 2024 gesetzten Stolpersteine haben Bürgerinnen, Bürger und örtliche Unternehmen persönliche Patenschaften übernommen:
| Verlegeort | Name des Opfers | Geburtsdatum | Patenschaft |
|---|---|---|---|
| Hauptstraße 14a | Johann Lorenz Nauheimer | 24.07.1877 | Maria Breckheimer |
| Hauptstraße 57 | Berta Altmaier geb. Dietz | 20.12.1868 | Jens Weckbach |
| Paula Gerson | 11.08.1894 | Buchhandlung Schröder | |
| Robert Gerson | — | Toni Amico | |
| Grabenstraße 58 | Jonas Halberstadt | 09.02.1884 | Paternoga-Augenoptik |
| Frieda Halberstadt geb. Strauss | 31.01.1887 | Nina Buhne | |
| Bessie Halberstadt | 1922 | Barbara Matiaske | |
| Leopold Halberstadt | 1924 | Bernd Klabunde |
Publikationen und Bilddokumentation
Das Informationsblatt des Vereins zur fünften Stolpersteinverlegung sowie die fotografische Dokumentation der Verlegestellen stehen nachfolgend als PDF zur Verfügung:
Infoblatt 2024
Offizielle Begleitpublikation des Vereins Stolpersteine Flörsheim e. V. mit Hintergrundtexten, Biografien der Verfolgten an den Standorten Hauptstraße und Grabenstraße sowie Daten zu den Verlegungen.
Infoblatt ansehen →Fotodokumentation der Verlegung
Fotografische Impressionen vom 8. November 2024: Die Enthüllung der Steine, die Schülerbeiträge vor den Wohnhäusern und Detailaufnahmen aller acht neu gesetzten Stolpersteine.
Fotodokumentation ansehen →