Verlegung der Stolperschwelle 2023
Historischer Kontext und Gedenkakt
Am 3. November 2023 verlegte der Aktionskünstler Gunter Demnig in Bad Weilbach eine sogenannte Stolperschwelle. Im Gegensatz zu den Stolpersteinen, die an Einzelschicksale an deren ehemaligen Wohnorten erinnern, widmet sich dieses größere Gedenkelement größeren Gruppen von Verfolgten: Mit der Messingschwelle gedenkt Flörsheim über 1.400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft von 1942 bis 1945 verschleppt, entrechtet und an mehreren Lagerstandorten im heutigen Stadtgebiet interniert waren.
Der Verlegeort in der Alleestraße zwischen der Hausnummer 3 und dem Parkplatz an der Schwefelquelle markiert einen zentralen historischen Ort. Hier, auf dem Areal des früheren Kurparks, befand sich das ehemalige Reichsautobahnlager als größtes Zwangsarbeiterlager in Flörsheim. Rund 800 Männer und Frauen aus Russland, der Ukraine, Frankreich, Holland, Italien, Litauen, Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn lebten dort auf engstem Raum unter unmenschlichen Bedingungen. Weitere Lager unterhielt die Deutsche Reichsbahn in der Weilbacher Turnhalle in der Jahnstraße sowie ab 1944 in den Gastwirtschaften „Zum Mainblick“ und „Zum Taunus“. Ein weiteres Lager betrieb der Rüsselsheimer Betrieb „SAAR“ im Flörsheimer „Karthäuser Hof“.
Die Verlegung wurde von Schülerinnen und Schülern des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums sowie der Sophie-Scholl-Schule aktiv mitgestaltet. In fundierten Beiträgen machten die Jugendlichen auf das System der Zwangsarbeit und die Ausbeutung der Verschleppten aufmerksam. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch betonte als stellvertretender Vorsitzender des Vereins Stolpersteine die fundamentale Bedeutung der lokalen Hintergrundforschung und rief dazu auf, Werten wie Frieden, Würde, Menschlichkeit und Toleranz stets entschlossen Geltung zu verschaffen.
Auszug zum Schicksal von Maksim Kiriljuk
„Einer von zirka acht Millionen ausländischen NS-Zwangsarbeitern wurde hier in Bad Weilbach beerdigt: Maksim Kiriljuk (geboren 1. August 1913 in Hubnyk, Ukraine; gestorben 26. März 1945 in Flörsheim am Main). […] Im Mai 1943 nach Bad Weilbach überführt, arbeitete er für die Firma ‚SAAR‘, bei Flörsheimer Bauern, Kleinbetrieben und als Flakhelfer auf dem Rod. Im Alter von 31 Jahren wurde Maksim Kiriljuk am 26. März 1945 durch amerikanischen Artilleriebeschuss in der Nähe des Zwangsarbeiterlagers getötet. Sein Grab befindet sich in der Nähe des Arbeitslagers.“
Kenndaten und Förderung
Die Realisierung der Stolperschwelle in Bad Weilbach sowie der begleitenden Gedenktafel erfolgte durch den Verein Stolpersteine Flörsheim e. V. mit Unterstützung institutioneller Förderer sowie der Stadt Flörsheim am Main:
| Verlegeort | Gedenkobjekt / Inschrift | Opfergruppe / Einzelschicksal | Förderer & Unterstützer |
|---|---|---|---|
| Alleestraße 3 / Parkplatz Schwefelquelle (Bad Weilbach) |
Messing-Stolperschwelle
„Im Gedenken an die Opfer der Zwangsarbeit 1942 bis 1945“
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Über 1.400 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter im Flörsheimer Stadtgebiet
Einzelschicksal: Maksim Kiriljuk (1913–1945)
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Kurt-Graulich-Stiftung Taunus-Sparkasse Nassauische Sparkasse Mainova AG Stadt Flörsheim am Main |
Publikationen und Bilddokumentation
Die thematische Begleitbroschüre des Vereins sowie die fotografische Dokumentation der Verlegung stehen nachfolgend als PDF zur Verfügung:
Broschüre zur Stolperschwelle 2023
Umfassende Dokumentation zur Zwangsarbeit in Flörsheim und Bad Weilbach von 1942 bis 1945, den Standorten der Zwangsarbeiterlager, Schülerrecherchen und den historischen Hintergründen des Gedenkens.
Broschüre ansehen →Fotodokumentation der Verlegung
Fotografische Aufnahmen vom 3. November 2023: Die Arbeiten von Künstler Gunter Demnig beim Einlassen der Schwelle, die Beiträge der Schülerinnen und Schüler sowie die Einweihung der Gedenktafel.
Fotodokumentation ansehen →