Kofferskulptur „DenkMal“ 2021
Entstehung, Symbolik und Einweihung
Am 28. November 2021 wurde am Bahnhof Flörsheim die Kofferskulptur „DenkMal“ feierlich der Öffentlichkeit übergeben. Da im Jahr 2021 pandemiebedingt keine regulären Stolpersteine verlegt werden konnten, schuf der Verein Stolpersteine Flörsheim e. V. mit diesem generationsübergreifenden Mahnmal ein dauerhaftes Zeichen des Gedenkens an die 34 Flörsheimer Bürgerinnen und Bürger, die während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ihre Heimatstadt verlassen mussten, deportiert oder ermordet wurden.
Der Bahnhof selbst bildete in den Jahren der Verfolgung den zentralen Dreh- und Angelpunkt von Flucht, Vertreibung und Transporten in die Vernichtungslager. Die Betroffenen durften auf ihrer Fahrt ins Ungewisse nur das Allernötigste mitführen. Diese historische Realität greift das Kunstwerk des Flörsheimer Bildhauers Thomas Reinelt auf: Auf einem schlichten Betonsockel befindet sich eine lebensgroße Skulptur aus einer Aluminium-Magnesium-Legierung. Dargestellt ist ein hastig gepackter Koffer, aus dem ein jüdischer Gebetsschal (Tallit) heraushängt. Daneben liegt eine nach damaligen behördlichen Vorgaben eng zusammengerollte Reisedecke. Ein Bruchstein aus Flörsheimer Kalkstein symbolisiert zudem die unlösbare Verwurzelung der Verschleppten mit ihrer Heimatgemeinde.
Eine tragende Säule des Projekts war die engagierte Beteiligung von Schülerinnen und Schülern der Klasse 11/5 des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums unter Leitung von Lehrer Constantin Mussel. Über den regulären Unterricht hinaus besuchten die Jugendlichen Museen in Frankfurt sowie eine historische Mikwe, um sich intensiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Als unsichtbares, inneres Gedenken birgt die Skulptur ein Geheimnis: Im Inneren des fest verschlossenen Koffers befindet sich eine metallene Zeitkapsel. Darin haben die 22 Schülerinnen und Schüler ihre persönlichen, unausgesprochenen Gedanken, Briefe und Zeichnungen zum Thema Flucht und Deportation hinterlegt – ein stilles Vermächtnis, dessen konkreter Inhalt ausschließlich den Verfassern bekannt ist.
Zur Einweihungsfeier versammelten sich rund 80 Bürgerinnen und Bürger am Bahnhof. Bürgermeister Dr. Bernd Blisch erinnerte in seiner Ansprache an eine persönliche Familiengeschichte: Sein Vater hatte im August 1942 als Elfjähriger am Flörsheimer Bahnsteig miterlebt, wie die Mitbürgerin Billa Metzger und weitere Flörsheimer unter falschen Vorspiegelungen verabschiedet wurden, ehe der Gepäckwagen des Zuges abgehängt wurde. Die Gymnasiasten trugen während der Feier die Gedichte „Der Schicksalszug“ von Alfred Krüger sowie „Der Koffer“ von Miriam Scheuer-Goldes vor und legten gelbe Rosen am Sockel nieder. Die Aufschrift der Metallplakette fasst den Auftrag des Mahnmals zusammen: „Niemals vergessen. In Erinnerung an das Schicksal der Flörsheimerinnen und Flörsheimer, die in der Zeit des Nationalsozialismus ihre Heimatstadt verlassen mussten. Sie wurden verfolgt, deportiert, ermordet.“
Kenndaten und Förderung des Mahnmals
Die Umsetzung des Denkmals am Flörsheimer Bahnhof wurde durch bürgerschaftliche Initiativen, institutionelle Unterstützung und regionale Förderer ermöglicht:
| Bereich | Details und Mitwirkende |
|---|---|
| Standort | Bahnhof Flörsheim am Main (Bereich zwischen Fahrradabstellplätzen und Bahnsteigzugang) |
| Künstlerische Gestaltung | Thomas Reinelt, Flörsheim am Main |
| Material & Elemente | Aluminium-Magnesium-Guss (Koffer, Tallit, Reisedecke), Sockel mit Flörsheimer Bruchstein und gravierter Metallplakette |
| Pädagogische Mitwirkung | Graf-Stauffenberg-Gymnasium (Klasse 11/5, Leitung: Constantin Mussel) mit der im Koffer eingeschlossenen Zeitkapsel |
| Unterstützung & Genehmigung | Stadt Flörsheim am Main (Standortsuche) und Deutsche Bahn (Standortgenehmigung) |
| Sponsoren & Förderer | Innovativ Garten- und Landschaftsbau, MW Baustahl sowie Familie Zoran Neuhaus |
Publikationen und Bilddokumentation
Die thematische Begleitbroschüre des Vereins sowie die fotografische Dokumentation der Skulptur und ihrer Einweihung stehen nachfolgend als PDF zur Verfügung:
Begleitbroschüre 2021/2022
Umfassende Publikation des Vereins Stolpersteine Flörsheim e. V. zur Kofferskulptur, den historischen Hintergründen der Deportationen und den Schicksalen der verfolgten Mitbürger.
Broschüre ansehen →Fotodokumentation der Kofferskulptur
Fotografische Erfassung des Kunstwerks am Bahnhof Flörsheim, Detailaufnahmen der Skulptur sowie Aufnahmen von der feierlichen Übergabe am 28. November 2021.
Fotodokumentation ansehen →