Zweite Stolpersteinverlegung 2019
Ablauf und historischer Rahmen
Am 25. Juni 2019 fand in Flörsheim am Main die zweite Verlegung von Stolpersteinen statt. An drei Standorten im Stadtgebiet wurden insgesamt fünf neue Gedenksteine in das Pflaster eingelassen: in der Hauptstraße 12, in der Brunnengasse 4 sowie in der Hochheimer Straße 4. Vor Ort begleiteten der Historiker Dr. Bernd Blisch und Alexander Noé das Gedenken mit einordnenden Ansprachen zu den Einzelschicksalen der Verfolgten.
Einen inhaltlichen Schwerpunkt der diesjährigen Verlegung bildete das Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Krankenmorde („Euthanasie“). In der Brunnengasse 4 wurde an die beiden Schwestern Anna Maria und Margarete Schick erinnert. Beide litten unter seelischen Erkrankungen, wurden 1933 in die Landesheilanstalt Eichberg eingewiesen und schließlich am 21. Februar 1941 im Rahmen der systematischen Mordaktion „T4“ in die Tötungsanstalt Hadamar deportiert, wo sie noch am selben Tag ermordet wurden. Den Angehörigen wurden zur Verschleierung des Verbrechens gefälschte Sterbeurkunden aus Pirna-Sonnenstein zugestellt. In der Hauptstraße 12 galt das Gedenken dem früheren Metzgermeister Ludwig Allendorf, der nach der Schließung seines Betriebs als Heizer gearbeitet hatte, im Alter mit der Diagnose „Altersschwachsinn“ nach Eichberg verlegt und dort am 10. Mai 1941 ermordet wurde. Das Wohnhaus befindet sich bis heute im Besitz seiner Nachkommen. In der Hochheimer Straße 4 erinnern zudem zwei Stolpersteine an Martin und Jakob Altmaier.
Am Abend versammelten sich die Teilnehmenden, Angehörige und Gäste in der Flörsheimer Kulturscheune zu einer vertiefenden Gedenkveranstaltung. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Dr. Bernd Blisch, der die bürokratischen und ideologischen Mechanismen der „Aktion T4“ darlegte – von der propagandistischen Vorbereitung über die Kriterien der vermeintlichen ökonomischen „Brauchbarkeit“ bis hin zu den Tötungsanstalten und der gezielten Täuschung der Hinterbliebenen.
Für die musikalische Umrahmung des Gedenkens sorgte der Künstler Sören Thies am Akkordeon. Ein besonderer Dank galt neben den engagierten Patinnen und Paten auch dem Unternehmen CNW Courier Network, das die Umsetzung dieses Erinnerungsprojekts im Jahr 2019 als Sponsor maßgeblich förderte.
Verlegte Stolpersteine und Patenschaften
Für alle fünf verlegten Stolpersteine übernahmen engagierte Bürgerinnen, Bürger und Familien eine persönliche Patenschaft:
| Verlegeort | Name des Opfers | Geburtsdatum | Patenschaft |
|---|---|---|---|
| Hauptstraße 12 | Ludwig Allendorf | 22.12.1867 | Fam. Petry |
| Brunnengasse 4 | Anna Maria Schick | 20.09.1906 | Ciriaco Porcu |
| Margarete Schick | 05.08.1908 | Fam. Jens Meireis | |
| Hochheimer Straße 4 | Martin Altmaier | 16.12.1900 | Markus Ochs |
| Jakob Altmaier | 1889 | Alexander Noé |
Fotodokumentation der Verlegung
Zu dieser Verlegung erschien keine gesonderte Begleitbroschüre. Die fotografische Dokumentation der Verlegestellen und der Veranstaltung in der Kulturscheune steht als PDF-Dokument zur Verfügung:
Fotodokumentation vom 25. Juni 2019
Umfassende Zusammenstellung der Fotografien: Die Verlegungen vor Ort in der Hauptstraße, der Brunnengasse und der Hochheimer Straße sowie Eindrücke der abendlichen Gedenkveranstaltung in der Kulturscheune.
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